Tranexamsäure

TranexamsäureIn einigen Rettungsdiensten wird derzeit fleissig Tranexamsäure verabreicht. Sogar bei Epistaxis wird von diesem Medikament grosszügig Gebrauch gemacht. Welcher Nutzen ist vorhanden?

Die Gabe von Tranexamsäure senkt das Risiko von tödlichen Blutungen, dies konnte in einer randomisierten Studie aufgezeigt werden. Die Gesamtsterblichkeit war geringfügig rückläufig.

An der CRASH-2-Studie („Clinical Randomisation of an Antifibrinolytic in Significant Haemorrhage 2“)  nahmen 274 Krankenhäusern in 40 Ländern mit 20.211 Trauma-Patienten teil.

Die Einschlusskriterien waren ein schwerer Blutverlust (systolischer Blutdruck unter 90 mm Hg oder Herzfrequenz >110/min oder beides) oder die Gefahr einer schweren Blutung. Die Verletzung durfte nicht länger als 8 Stunden zurückliegen, und es durften keine Kontraindikationen bestehen.

Tranexamsäure gehört zu jenen Substanzen, welche die körpereigene Fibrinolyse hemmt, also verhindert dass Thromben, welche verletzte Gefässe abdichten, vorzeitig aufgelöst werden.

Die Therapiekosten sind sehr kostengünstig. Es ist damit auch für Entwicklungsländer erschwinglich und könnte weltweit vielen Schwerverletzten das Leben retten, sofern es wirksam und sicher ist.

Genau sollte in der CRASH-2-Studie untersucht werden. Leider entsprachen die Ergebnisse nicht den Erwartungen. Primärer Endpunkt war der Tod des Patienten innerhalb von 4 Wochen nach der Verletzung. Er trat bei 14,5 Prozent der mit Tranexamsäure behandelten Patienten gegenüber 16,0 Prozent im Placebo-Arm auf.
Das ergibt eine Number Needed to Treat (NNT) von 66,6 Patienten, die behandelt werden müssen, um einem Patienten das Leben zu retten. Die Zahl der Todesfälle durch Verbluten wurde von 5,7 auf 4,9 Prozent gesenkt (NNT 125).

In einer Pressemitteilung wurde hochgerechnet: Tranexamsäure könnte weltweit jedes Jahr bis zu 100.000 Todesfälle verhindern, darunter allein 13.000 in Indien und 12.000 in China. Aber auch in den USA und Europa könnten 2.000 Patienten pro Jahr gerettet werden. Auffällig ist, dass die Publikation nicht auf die Verträglichkeit von Tranexamsäure eingeht.