Ersthelfer im Rettungswesen Stufe 3 IVR

Bedeutung der Ersten Hilfe und Grundanforderungen an die Betriebe

Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass in medizinischen Notfällen entsprechend der TopTen-Liste während der Arbeitszeit angemessen Hilfe geleistet wird. Angemessen heisst, dass die Hilfe schnell und qualifiziert erfolgt. Für den Betrieb bedeutet dies:

  1. Alarmieren
  2. Lebensrettende Sofortmassnahmen durchführen
  3. Weitere Hilfe leisten.

Hier finden Sie alle Informationen zum ArGV 3 Artikel 36: Erste Hilfe

Die Ausbildung in Erster Hilfe Stufe 3 soll geeigneten und für die Erste-Hilfe-Funktion beauftragten Personen ermöglichen, Gesundheit zu erhalten, Leben zu schützen und zu retten sowie Komplikationen (bei unfallbedingten Körperschädigungen und akuten Erkrankungen) zu verhindern. Mit dem Erreichen der Stufe 3 soll bei Unfall und Erkrankung aufgrund der differenzierten Situationsbeurteilung und der verfügbaren personellen und materiellen Mittel die bestmögliche Entscheidung getroffen und die adäquaten Massnahmen eingeleitet werden, bis professionelle Hilfe eintrifft. Ersthelfer auf Stufe 3 stellen ein Bindeglied zur professionellen Hilfe dar und können dem medizinischen Fachpersonal und/oder dem Arzt bei ausserklinischen Massnahmen assistieren.

Zielgruppe

Alle interessierten Personen, welche bereit und geeignet sind, sich in einer haupt- oder nebenamtlichen Tätigkeit (z.B. Betriebssanitäter) zu engagieren, und die sich ein breites Basiswissen und umfangreiche Fertigkeiten in Erster Hilfe und präventiven Massnahmen aneignen wollen.

Voraussetzungen 

  • Gültiges Zertifikat Ersthelfer Stufe 2 IVR
    und
  • Gültiger BLS-AED-Ausweis

Ausbildungsinhalte

Patientenbeurteilung & Patientenüberwachung | 

Leitziel: Der Teilnehmer führt in Anlehnung an das notfallmedizinische ABCDE eine strukturierte Patientenbeurteilung durch. Er kann mit Hilfsmitteln die Vitalfunktionen sowie weitere Funktionen erfassen, stufengerecht beurteilen und protokollieren. Er ist in der Lage, den Patienten kontinuierlich zu überwachen, einzuschätzen und wichtige Informationen weiterzuleiten.

Feinziele: 

  • Der Teilnehmer kann die Patientenbeurteilung gemäss ABCDE-Schema vornehmen.
  • Ihm werden Möglichkeiten zum Überwachen und Erfassen von Vitalparametern vermittelt.
  • Er ist in der Lage, die Übergabe des Patienten an nachgelagerte Organisationen und Verantwortliche (z.B. Hausarzt, Rettungsdienst, Angehörige) vorzunehmen.
  • Der Teilnehmer kennt die erweiterte Beurteilung des wachen Patienten (z.B. Body Check).

Traumatisch bedingte Körperschädigungen 

Leitziel: Der Teilnehmer ist in der Lage, die unfallbedingte Situation zu erfassen und die notwendigen Massnahmen durchzuführen. Er kann durch den Einsatz der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel weitere Schädigungen verhindern. Er unterstützt das medizinische Fachpersonal und/oder den Arzt bei der Versorgung der Patienten.

Feinziele: 

  • Der Teilnehmer kennt verschiedene Schockformen.
  • Er ist in der Lage, Kopf- und Rückenverletzungen zu erkennen und die notwendigen Massnahmen zu ergreifen.
  • Die Massnahmen, die es bei Frakturen, Luxationen und Verstauchungen zu ergreifen gilt, werden geschult und vom Teilnehmer angewandt.
  • Der Teilnehmer erkennt Erfrierungen und Unterkühlungen und leitet die notwendigen Massnahmen ein.
  • Der Teilnehmer erkennt die Formen der Überhitzung und leitet die notwendigen Massnahmen ein.

| Akute Erkrankungen |

Leitziel: Der Teilnehmer ist in der Lage, aufgrund seiner erweiterten Kenntnisse akute Erkrankungen zu erfassen und die notwendigen Massnahmen durchzuführen. Er betreut akut erkrankte Personen bis zum Eintreffen der professionellen Kräfte. Er unterstützt das medizinische Fachpersonal und/oder den Arzt bei der Versorgung der Patienten und überwacht die Vitalfunktionen.

Feinziele: 

  • Der Teilnehmer kennt Symptome akuter Atemstörungen und leitet entsprechende Massnahmen ein.
  • Er kennt die entsprechenden Schockformen.
  • Er kennt die wichtigsten Hals-, Nasen- und Ohrenbeschwerden (Blutungen, Schmerzen, Schwellungen, Schwindel) und leitet die notwendigen Massnahmen ein.
  • Er kennt Symptome akuter Bauchschmerzen (z.B. Koliken, Blutungen) und leitet die entsprechenden Massnahmen ein.
  • Der Teilnehmer kennt mögliche Ursachen bei Schmerzen der Extremitäten (z.B. venöser/arterieller Verschluss, Entzündungen, Schwellungen) und beschreibt die weitere Vorgehensweise.
  • Er kennt die wesentlichen kardiovaskulären Risikofaktoren.
  • Er erkennt wesentliche Symptome zerebraler Ereignisse:  Hirnblutung/Hirnschlag, Meningitis, Epilepsie
  • Der Teilnehmer erkennt Symptome psychischer Ausnahmesituationen (z.B. Angstzustände, Verwirrtheit, Aggressionen, Depressionen).
  • Er erkennt Symptome bei Erkrankungen von Kindern (Fieberkrankheiten, Krupp-Syndrom, Brechdurchfall).

 | Materialkenntnisse und Materialeinsatz | 

Leitziel: Der Teilnehmer verfügt über erweiterte Materialkenntnisse und kann das vor Ort vorhandene Erste-Hilfe-Material situationsbezogen einsetzen. Darüber hinaus kann er unter Aufsicht von bergungstechnisch versiertem Fachpersonal das Rettungsmaterial einsetzen.

Feinziele: 

  • Er wendet das Schienenmaterial korrekt an.
  • Unter Aufsicht setzt er Bergungs- und Lagerungsmaterial (Schaufeltrage, Halskragen, Vakuummatratze, Rettungsbrett inkl. Spinne und Head-Blocker) situationsbezogen ein.
  • Er erlernt den Umgang mit Sauerstoffabgabehilfsmitteln (inkl. Sauerstoffflasche).
  • Er ist in der Lage, eine situationsgerechte Crashbergung (ohne Immobilisation) durchzuführen.
  • Der Teilnehmer ist in der Lage, einfache Schnelltests, z.B. Blutzucker, durchzuführen (kantonale Gesetzgebung beachten).
  • Er kennt gängige Hilfsmittel und deren Handhabung zur Überwachung der Vitalparameter (Blutdruckmessgerät, Thermometer, Pulsoximeter).

 | Medikamente |

Leitziel: Der Teilnehmer kennt die gebräuchlichsten Medikamente und die rechtlichen Aspekte der Abgabe von Medikamenten.

Feinziele: 

  • Er kennt verschiedene Formen der Medikamentenapplikation (z.B. Gas, Pillen, Tropfen, Zäpfchen, Salben).
  • Er ist sich über die Verantwortung im Umgang mit Medikamenten bewusst.
  • Der Teilnehmer ist sich bewusst, dass Medikamente nur dann abgegeben werden dürfen, wenn die rechtliche Situation geklärt ist (kantonale Gesetzmässigkeiten beachten).
  • Der Teilnehmer kennt die fachgerechte Entsorgung der Medikamente.

 | Selbstschutz, Sicherheit und Hygiene 

Leitziel: Der Teilnehmer erkennt mögliche Gefahren, um weder sich selbst als Helfer noch den Patienten zusätzlich zu gefährden. Der Teilnehmer kennt und nutzt die erforderlichen Mittel und Methoden der Reinigung, Dekontamination und Desinfektion des vorhandenen Einsatzmaterials.

Feinziele: 

  • Der Teilnehmer kennt mögliche Infektionswege und Präventionsmöglichkeiten (z.B. Impfung).
  • Er ist in der Lage, entsprechende Hygiene- und Schutzmassnahmen zu ergreifen.
  • Er kennt die Grundlagen im Umgang mit schmutzigem, kontaminiertem und sterilem Material sowie übliche Desinfektions- und Reinigungsprozesse.

 | Rechte und Pflichten / Organisation und Führung |

Leitziel: Der Teilnehmer kennt seine Kompetenzen, geltende gesetzliche Grundlagen sowie ethische Grundsätze bei der Ersten Hilfe.

Feinziele: 

  • Der Teilnehmer weiss, wo aktuelle Gesetze, Richtlinien und Empfehlungen (EKAS5 / SUVA6) verfügbar sind.
  • Er kennt die Bedeutung von Verschwiegenheits-, Sorgfalts- und Dokumentationspflicht.
  • Er ist sich über die Grundlagen der Führung im Einsatz bewusst.
  • Er kennt die rettungsdienstliche Versorgungsstrategie.

Erfolgskontrolle & Reflexion 

Die Kursteilnehmenden erhalten ein formatives Feedback durch die Kursinstruktoren

Kursdauer 

2 x 3 Tage / Gesamt 6 Tage
Die aktuellen Termine entnehmen Sie bitte dem Kursprogramm Ersthelfer.

Leistungsumfang

  • Kursunterlagen & Kursdokumentation
  • Buch „Erste Hilfe“
  • Teilnehmerzertifikat

Kursanmeldung