Diplomarbeiten

Abstract der Diplomarbeiten der GA-53 Studium Rettungssanität von 2018 bis 2021

Martina v. Niederhäusern „Tod – die wichtigste Diagnose im Leben“

Der Tod gehört zum Leben eines jeden Menschen. Der Tod gehört zum Berufsalltag einer Rettungssanitäterin/eines Rettungssanitäters. Der Tod gehört zu den wenigen Dingen, die für immer sind. Er ist endgültig. Aber ist er immer so endgültig und eindeutig, wie er im ersten Moment aussieht? Tot ist nicht gleich tot. Viele Todesumstände und -ursachen sind unterschiedlich. Kein Patient/keine Patientin und kein Leichnam ist wie der andere. Jeder Mensch hat unterschiedliche Lebensumstände und genau auf diese treffen Mitarbeiter/innen des Rettungsdienstes, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden. Möglicherweise ist der Patient/die Patientin augenscheinlich tot, die Wiederbelebungsbemühungen werden als aussichtslos angesehen und der Patient/die Patientin wird für tot erklärt oder alles sieht nach einem natürlichen Tod aus. Doch was ist, wenn man sich getäuscht hat? Richtig, die Folgen sind meist gravierend. Gibt man im Internet z.B. «vom Tod aufgewacht» ein, springen einem Unmengen von Zeitungsartikeln zu diesem Thema in die Augen – manche davon mit verheerenden Folgen. Und genau deshalb wurde diese Arbeit geschrieben. Sie soll den Rettungssanitäterinnen/Rettungssanitätern draussen im Einsatz helfen, auf die korrekten und wichtigen Dinge zu achten, dazu beitragen, dass Patienten/Patientinnen richtig behandelt und die korrekten Massnahmen getroffen werden. Die definitive Todesfeststellung ist zweifellos Aufgabe eines Arztes/einer Ärztin, dennoch sind die Rettungskräfte meist die ersten vor Ort und haben nicht selten die Verantwortung, bereits wichtige Vorentscheidungen zu treffen.


Marvin Leibundgut, «Pädiatrische Algorithmen»

Die vorliegende Arbeit möchte die präklinische Versorgung von Kindern verbessern. Um dies zu erreichen, wurden Algorithmen überarbeitet und erstellt. Durch einschlägige Bücher, Artikel sowie Internetrecherchen hat sich der Verfasser das Wissen über die Besonderheiten von Kindernotfälle angeeignet und mit diesem Wissen die Algorithmen erarbeitet. Als Grundlage wurden die Smedrix 3.0 Algorithmen verwendet, da diese in der Schweiz weit verbreitet sind und mit diesen in der Schule des Verfassers gearbeitet wird. Die Arbeit beinhaltet Algorithmen, welche noch nicht speziell für Kinder angepasst wurden oder in welchen der Verfasser noch Verbesserungspotenzial sieht. Aus diesem Grund wird in der Arbeit zuerst der Algorithmus «Primary Survey für Kinder» vorgestellt und danach der «Secondary Survey für Kinder», da diese die Grundlagen für eine professionelle präklinische Untersuchung bieten. Anschliessend geht der Verfasser auf die respiratorischen Probleme von Kinder ein, mit den Algorithmen «Dyspnoe Kind» und «Bolusgeschehen Kind». Des Weiteren hat der Verfasser einen Algorithmus zum Thema Schock verfasst, da er die herkömmlichen Algorithmen zu diesem Thema für die Präklinik zu unübersichtlich und zu gross empfand. Zuletzt enthält diese Arbeit einen angepassten Algorithmus zum Thema Bewusstseinsstörung und einen erstellten Algorithmus zum Thema Intoxikation. Beide Themen sind in der Präklinik besonders herausfordernd, da man bei der Anamnese wenig bis keine Hinweise für die Ursache herausfinden kann. Zur Überprüfung der Qualität der erstellten Algorithmen wurde der Leitender Arzt vom Rettungsdienst Luzern hinzugezogen.


Ruedi Item, «Palliative Care im Rettungsdienst»

Die Bevölkerung wird durch den heutigen Stand der Wissenschaft immer älter, die Erkrankungen im zunehmenden Alter häufiger und komplexer. Dies betrifft nicht nur die Kliniken, die damit konfrontiert sind, dem Patienten/der Patientin die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen, sondern auch die Rettungsdienste müssen sich in Zukunft vermehrt dieser Problematik stellen. Im Rettungsdienst arbeitet man mehrheitlich kurativ, jedoch wird das Thema der palliativen Versorgung zunehmend relevanter. Für den Rettungsdienst sind solche Situationen eine zusätzliche Herausforderung, da in der Ausbildung zum/zur Rettungsanitäter/Rettungssanitäterin (RS) wenig über palliative Versorgung unterrichtet wird. Es zeigt sich auch in der Praxis, dass es eine Herausforderung ist, die Patienten nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu unterstützen, denn auch die Angehörigen der Patienten sind ein wichtiger Aspekt für die weitere Behandlung, wenn beispielsweise ein Pat. zuhause bleiben möchte, um zu sterben.


Martin Stahel, «Schwerbrandverletzte»

Durch einen Grill-Unfall erlitt eine Bekannte aus dem Umfeld des Autors schwere Verbrennungen im Gesicht und am ganzen Körper. Die Betroffenen musste ein ganzes Jahr lang ein Ganzkörper-Kompressionsverband tragen und hatte unzählige Operationen über sich ergehen lassen müssen. Auf Grund dieses Ereignisses verfolgte der Verfasser den Unterricht über Verbrennungen mit besonders grossem Interesse. Mit dem Wissen, dass in der Schule vermittelt wurde entstanden neu Fragen, welchen durch das vertiefte auseinandersetzten mit dem Thema mit dieser Arbeit beantwortet werden sollen.

Während der Themenwahl verbrachte der Autor viel Zeit in den Bibliotheken der Zürcher Hochschulen und im Internet auf der Suche nach passender Literatur. Dabei wurde sein Interesse an der hochspannenden Thematik erst richtig geweckt. Mit Hilfe eines Mindmap wurde zu Beginn eine Übersicht über die Thematik geschaffen. Durch den Austausch und die Diskussion mit diversen Mitarbeitern/innen im Rettungsdienst entstand die Fragestellung und somit die Disposition der Arbeit.


Mirjam Ramseier, «das ABC, angepasst auf Samariter»

Die Beurteilung von Patienten gehört zur Grundlage eines jeden Dipl. Rettungssanitäters HF im
Berufsalltag. Dabei gibt es Schnittstellen bei Einsätzen zu Laien-Ersthelfenden, welche teilweise ein
vereinfachtes Grundwissen haben: Die Samariterinnen und Samariter. Jedoch sind diese je nach
Region wie auch Kanton unterschiedlich geschult. Einzelne wenden das «ABCDE-Schema» zur
Patientenbeurteilung an, andere wiederum nicht. Des Weiteren ist unklar, wie fundiert deren
Grundwissen ist.
Das Herz der Autorin ist dabei in beiden Welten zu Hause, in der professionellen Präklinik wie auch
als Samariterin auf Stufe des Laienhelfers. Dabei hörte sie des Öfteren unter den Angehörigen der
Rettungsdienste, «die Samariter können nichts und stören mehr als sie nützen». Auch durch ihren
Einblick in die Samariterarbeit wurde klar: Da muss sich was ändern. Leider wird im
Zusammenhang mit den Angehörigen der Samaritervereine auch von den «Pflästerliverteilern»
gesprochen. Das schmerzt.
Durch eine Erhebung des aktuellen Wissensstands der Samariterinnen und Samariter, mittels einer
Umfrage, zeigte sich ein Bild, welches nicht schön zu reden ist. Das Wissen hat grundlegende
Lücken, welche geschlossen werden müssen. Es ergab sich daraus folgende Fragestellung:
«Welche Hilfsmittel benötigen die Samariterlehrerinnen und Samariterlehrer, damit sie ihre
Mitglieder in der Patientenbeurteilung und -anamnese adäquat schulen können?»
Somit wurde im Rahmen dieser Diplomarbeit ein Schulungskonzept erstellt, welches bei der
obligatorischen Weiterbildung der Samariterlehrerinnen und -lehrer umgesetzt werden soll. Auch
findet ein Vergleich der Massnahmen in der Patientenbeurteilung sowie Anamnese auf dem
entsprechenden Ausbildungsniveau statt, wo weitere Lücken aufgezeigt werden. Und um nicht nur
mit Texten zu arbeiten, wurden die entsprechenden Akronyme visualisiert.


Vanessa Zimmermann, «Algorithmen für Pflegeeinrichtungen»

Fakt ist, dass in der Schweiz ein demografischer Wandel stattfindet. Der Anteil von älteren Menschen in der Bevölkerung steigt stetig an. Umso wichtiger ist es, dass die Zusammenarbeit von Alters- und Pflegeheimen und dem Rettungsdienst reibungslos funktioniert. Sehr viele rettungsdienstliche Einsätze finden nämlich in solchen Institutionen statt. Die Verfasserin erarbeitet in dieser Diplomarbeit einen Algorithmus und eine Checkliste, welche sich mit der Übergabe des Patienten vom Pflegepersonal an das Rettungsdienstpersonal befasst. Die Autorin ist der festen Überzeugung, dass dort angesetzt werden sollte, um die Zusammenarbeit zwischen dem Rettungsdienstpersonal und dem Pflegepersonal in Alters- und Pflegeheimen nachhaltig zu verbessern. Auch die Qualität der Übergabe wird sich dadurch steigern, was schlussendlich zu einer besseren und schnelleren Versorgung von Patienten und Patientinnen führen wird. In der Literaturrecherche befasst sich die Verfasserin vor allem mit Problemen und Schwierigkeiten, welche bei geriatrischen Patienten und Patientinnen am häufigsten vorkommen. Des Weiteren schreibt sie über die wichtige Patientenverfügung. Auch der bereits angesprochene demografische Wandel in der Schweiz ist Teil der Literaturrecherche. 


Dominique Joho, «Zusammenarbeit zwischen Erwachsenenschutzbehörde und Rettungsdienst»

Die Bevölkerungszahl sowie die Lebenserwartung der Menschen steigen aufgrund der zunehmenden Fortschritte in der Schulmedizin immer weiter an. Somit nimmt der demografische Wandel zu.

Im Alter nehmen die Erkrankungen immer mehr zu und viele ältere Menschen sind auf Unterstützung angewiesen. Nicht für jede Person ist es einfach diese Unterstützung anzunehmen. Sie versuchen weiterhin die Aktivitäten des täglichen Lebens möglichst selbständig auszuführen. Dies funktioniert jedoch nicht immer und es kommt zur Vernachlässigung des Haushalts oder Verwahrlosung der einzelnen Person. Der Rettungsdienst trifft öfters Wohnungen in verwahrlostem Zustand an, respektive die darin lebende Person ist als verwahrlost zu bezeichnen. Jedoch unterliegt der Rettungsdienst einer gesetzlichen Schweigepflicht.

Bei solchen Ereignissen stellen sich unter anderem folgende Fragen:

  • Darf man ohne rechtliche Konsequenzen eine Gefährdungsmeldung eröffnen?
  • Ab wann spricht man von einer Verwahrlosung? 
  • Wie geht man damit um, wenn die Angehörigen mit der Betreuung ihrer Familienangehörigen überfordert sind und es zu einer Verwahrlosung der betreuten Person kommt?
  • Wie funktioniert eine Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, kurz KESB, im Kanton Aargau?

Selina Fritschi, «Umgang mit Patienten im Delir»

Die Mehrheit der rettungsdienstlichen Einsätze betreffen Patienten und Patientinnen im 65. Lebensjahr oder darüber. Die Betreuung akut verwirrter Patienten/Patientinnen erfordert ein Höchstmass an Geduld, Empathie, Zeit und Ressourcen. Das Delir ist ein komplexes und breites Thema, wird jedoch in verschiedenen medizinischen Ausbildungen nur ungenügend geschult. Es gibt unterschiedliche Studien, die zur Erkenntnis kamen, dass viele Delirien potenziell vermeidbar gewesen wären. In der Praxis wird das Delir oft unterschätzt oder nicht erkannt. 

In dieser Diplomarbeit wird aufgezeigt, was es für Risikofaktoren und Ursachen für ein Delir gibt und wie es verhindert werden kann. Im Spital, in dem der Rettungsdienst der Verfasserin angegliedert ist, wurde ein Konzept erarbeitet, wie man auf der Notfallstation die Prophylaxe gegen ein Delir beginnen kann. Es ist somit wichtig, das Delir und dessen Risikofaktoren zu erkennen und diese zu behandeln, damit eine optimale Prävention ausgeführt werden kann. Das Konzept zeigt auf, wie gefährdet der Patient/die Patientin für ein Delir ist und was man innerklinisch für Massnahmen zur Prophylaxe durchführen kann. Aus den Erkenntnissen des Konzepts werden in der Diplomarbeit Empfehlungen sowie ein Algorithmus und eine Pocket-Card für die Präklinik weitergegeben. Die Empfehlungen beinhalten, wie man im Rettungsdienst mit verschiedenen Massnahmen ein Delir vorbeugen kann und wie man mit deliranten Patienten umgehen soll. Es werden auch die verschiedenen Problematiken im Rettungsdienst bei der Ausführung dieser Massnahmen beschrieben. Der Algorithmus und die Pocket-Card sind Anhaltspunkte und soll den Rettungsdienstmitarbeitenden zur Unterstützung dienen.


Benjamin Hischier, «Bakterielle Meningitis im Rettungsdienst»

Die akute bakterielle Meningitis ist ein weltweit vertretenes, lebensbedrohliches Krankheitsbild. Die hohe Letalität, sowie ein breites Spektrum an Komplikationen verlangen eine unverzügliche Behandlung.

In mehreren Publikationen konnte ein schlechtes neurologisches Outcome in einen direkten Zusammenhang mit einem verzögerten Behandlungsbeginn gebracht werden. Dadurch richtet sich der Fokus auf die frühzeitige Verdachtsdiagnosestellung mit kritischer Betrachtung der traditionellen Diagnosehilfsmittel (Meningismus Trias). Die Ergebnisse der Literaturrecherche zeigten, dass bei entsprechender Symptomatik präklinisch eine sehr hohe Sensitivität bestätigter, korrekter Verdachtsdiagnosestellungen bestimmt werden konnte.

Der Schwerpunkt im zweiten Teil der Arbeit ist die frühzeitige, medikamentöse Behandlung. Zahlreiche Studien zu unterschiedlichen Therapieansätzen fanden eine einheitliche Empfehlung im Breitspektrum-Antibiotikum Ceftriaxon, sowie der adjuvanten Therapie mit Kortikosteroiden. Die präklinische Antibiotikagabe wird auf die Behandlungsnotwendigkeit, orientiert an den Marktzulassungskriterien von Swissmedic: Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit, überprüft.